Goethes erste Tage am römischen Corso und seine neue Identität
Goethes erste Tage auf dem Corso
Als Goethe unerwartet in Rom ankam, verbrachte er seine erste Nacht in der bescheidenen Locanda dell’Orso und schickte sofort eine Nachricht an den Maler Johann Wilhelm Tischbein, dem er zu einem Weimarer Stipendium verholfen hatte. Noch am selben Abend lud Tischbein ihn ein, in die von ihm geteilte Wohnung in der Via del Corso 18 nahe der Piazza del Popolo zu ziehen. Goethe nahm an und fühlte sich bald heimisch unter den deutschen Künstlern Johann Georg Schütz und Friedrich Bury, die alle von einem römischen Kutscher-Ehepaar namens Collina unterstützt wurden.
In Santa Maria del Popolo war er als „Giovanni Filippo Moeller, Deutscher, Maler, 32“ registriert und gab sich damit jünger aus und als Künstler statt als Minister. Forschungen zu Rechnungen und Unterlagen zeigen, dass er dank des weiterlaufenden Gehalts von Carl August von Weimar häufig die Lebenshaltungskosten für den gesamten Haushalt übernahm. Der Alltag war entspannt und formlos; Zeichnungen von Tischbein zeigen Goethe in schlichter Kleidung, wie er auf den Corso hinausschaut, mit Freunden scherzt oder liest. Sein Zimmer war klein und spärlich möbliert, ganz seinem Wunsch entsprechend, in Rom als Dichter und Maler zu leben und nicht als Staatsbeamter. Durch Tischbein lernte er weitere deutschsprachige Künstler und Intellektuelle kennen, blieb jedoch weitgehend von der Arbeitswelt der italienischen Künstler und der einfachen Römer getrennt. Diese relative Anonymität ermöglichte es ihm, den Kopf freizubekommen, neue Inspiration zu finden und damit zu beginnen, sich in der Ewigen Stadt neu zu erfinden.
Als Goethe unerwartet in Rom ankam, verbrachte er seine erste Nacht in der bescheidenen Locanda dell’Orso und schickte sofort eine Nachricht an den Maler Johann Wilhelm Tischbein, dem er zu einem Weimarer Stipendium verholfen hatte. Noch am selben Abend lud Tischbein ihn ein, in die von ihm geteilte Wohnung in der Via del Corso 18 nahe der Piazza del Popolo zu ziehen. Goethe nahm an und fühlte sich bald heimisch unter den deutschen Künstlern Johann Georg Schütz und Friedrich Bury, die alle von einem römischen Kutscher-Ehepaar namens Collina unterstützt wurden.
In Santa Maria del Popolo war er als „Giovanni Filippo Moeller, Deutscher, Maler, 32“ registriert und gab sich damit jünger aus und als Künstler statt als Minister. Forschungen zu Rechnungen und Unterlagen zeigen, dass er dank des weiterlaufenden Gehalts von Carl August von Weimar häufig die Lebenshaltungskosten für den gesamten Haushalt übernahm. Der Alltag war entspannt und formlos; Zeichnungen von Tischbein zeigen Goethe in schlichter Kleidung, wie er auf den Corso hinausschaut, mit Freunden scherzt oder liest. Sein Zimmer war klein und spärlich möbliert, ganz seinem Wunsch entsprechend, in Rom als Dichter und Maler zu leben und nicht als Staatsbeamter. Durch Tischbein lernte er weitere deutschsprachige Künstler und Intellektuelle kennen, blieb jedoch weitgehend von der Arbeitswelt der italienischen Künstler und der einfachen Römer getrennt. Diese relative Anonymität ermöglichte es ihm, den Kopf freizubekommen, neue Inspiration zu finden und damit zu beginnen, sich in der Ewigen Stadt neu zu erfinden.
Goethes „Faust“: Lebenswerk und menschliche Tragödie
Faust
Goethe begann 1772–1773 in Frankfurt mit der Arbeit am Faust-Stoff und schuf den frühen „Urfaust“. Daraus entwickelte er Faust. Ein Fragment, 1788 vollendet und 1790 veröffentlicht, und anschließend die erweiterte Fassung Faust. Eine Tragödie im Jahr 1808. Zwischen 1825 und 1831 schrieb er Faust. Der zweite Teil der Tragödie, der 1832 nach seinem Tod erschien – ein Werk, das er als die Hauptaufgabe seines Lebens betrachtete.
Aufbauend auf dem populären Buch von 1587, Die Historia von D. Johann Fausten, und späteren Puppenspiel-Fassungen erzählt Goethe von dem lebensmüden Gelehrten Faust, der Mephistopheles seine Seele verspricht, falls der Teufel ihn aus der Verzweiflung befreien und ihm stete Wandlung verschaffen kann. Verjüngt verführt Faust Gretchen, deren Mutter und Bruder durch seine Schuld sterben; während er und Mephisto in der Walpurgisnacht schwelgen, wird Gretchen zur Kindsmörderin, bereut und erwartet ihre Hinrichtung, wobei sie eine Rettung ausschlägt. Der erste Teil kreist um diese „Gretchen-Tragödie“, während der zweite Fausts Geschichte in eine weitgespannte Parabel auf die Menschheit verwandelt.
Goethe begann 1772–1773 in Frankfurt mit der Arbeit am Faust-Stoff und schuf den frühen „Urfaust“. Daraus entwickelte er Faust. Ein Fragment, 1788 vollendet und 1790 veröffentlicht, und anschließend die erweiterte Fassung Faust. Eine Tragödie im Jahr 1808. Zwischen 1825 und 1831 schrieb er Faust. Der zweite Teil der Tragödie, der 1832 nach seinem Tod erschien – ein Werk, das er als die Hauptaufgabe seines Lebens betrachtete.
Aufbauend auf dem populären Buch von 1587, Die Historia von D. Johann Fausten, und späteren Puppenspiel-Fassungen erzählt Goethe von dem lebensmüden Gelehrten Faust, der Mephistopheles seine Seele verspricht, falls der Teufel ihn aus der Verzweiflung befreien und ihm stete Wandlung verschaffen kann. Verjüngt verführt Faust Gretchen, deren Mutter und Bruder durch seine Schuld sterben; während er und Mephisto in der Walpurgisnacht schwelgen, wird Gretchen zur Kindsmörderin, bereut und erwartet ihre Hinrichtung, wobei sie eine Rettung ausschlägt. Der erste Teil kreist um diese „Gretchen-Tragödie“, während der zweite Fausts Geschichte in eine weitgespannte Parabel auf die Menschheit verwandelt.

Quittung
Faust im Bild: Drei Künstler deuten den Pakt
Faust visualisieren: Retzsch, Lindenschmit, Hegenbarth
Friedrich August Moritz Retzsch gehörte zu den ersten Künstlern, die Goethes Faust illustrierten. Bereits 1808 zeichnete er einzelne Szenen und zeigte sie 1810 Goethe. Sein Radierzyklus mit 26 Blättern erschien 1816 und wurde vom Dichter für seine „witzigen Kompositionen“ und ausdrucksstarken Figuren gelobt. Die hier gezeigte Zeichnung wiederholt das zweite Blatt, das Faust und Wagner auf ihrem Osterspaziergang zeigt, während Mephistopheles rechts in Gestalt eines Pudels erscheint; Retzsch dürfte sie als Alternative zum Druck gedacht haben.
Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere zeigt Faust im Auerbachs Keller, wo Mephistopheles Wein aus dem Tisch für eine Gruppe zechender Trinker heraufbeschwört. Faust, in sich gekehrt und grüblerisch, beobachtet die Szene und wendet sich ab, unberührt von der groben Magie und der Ausgelassenheit. Die um 1850 datierte Zeichnung steht in Beziehung zu einem heute verlorenen Gemälde Lindenschmits.
Um 1960 konzentrierte sich Josef Hegenbarth auf den Moment unmittelbar bevor Faust den Pakt unterschreibt. Faust zögert noch, den Kopf zweifelnd zurückgewandt, während Mephisto – gekennzeichnet durch eine fleischige Nase und ein sardonisches Grinsen – eine Hand auf seine Schulter legt. Eine dunkle Linie scheint vom Körper des Dämons in Fausts Arm zu fließen und deutet an, dass die Hand des Gelehrten bereits vom Willen des Mephistopheles geführt wird. Bildlich erscheint Faust als innerlich gefangen, noch bevor der Vertrag überhaupt geschrieben ist.
Friedrich August Moritz Retzsch gehörte zu den ersten Künstlern, die Goethes Faust illustrierten. Bereits 1808 zeichnete er einzelne Szenen und zeigte sie 1810 Goethe. Sein Radierzyklus mit 26 Blättern erschien 1816 und wurde vom Dichter für seine „witzigen Kompositionen“ und ausdrucksstarken Figuren gelobt. Die hier gezeigte Zeichnung wiederholt das zweite Blatt, das Faust und Wagner auf ihrem Osterspaziergang zeigt, während Mephistopheles rechts in Gestalt eines Pudels erscheint; Retzsch dürfte sie als Alternative zum Druck gedacht haben.
Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere zeigt Faust im Auerbachs Keller, wo Mephistopheles Wein aus dem Tisch für eine Gruppe zechender Trinker heraufbeschwört. Faust, in sich gekehrt und grüblerisch, beobachtet die Szene und wendet sich ab, unberührt von der groben Magie und der Ausgelassenheit. Die um 1850 datierte Zeichnung steht in Beziehung zu einem heute verlorenen Gemälde Lindenschmits.
Um 1960 konzentrierte sich Josef Hegenbarth auf den Moment unmittelbar bevor Faust den Pakt unterschreibt. Faust zögert noch, den Kopf zweifelnd zurückgewandt, während Mephisto – gekennzeichnet durch eine fleischige Nase und ein sardonisches Grinsen – eine Hand auf seine Schulter legt. Eine dunkle Linie scheint vom Körper des Dämons in Fausts Arm zu fließen und deutet an, dass die Hand des Gelehrten bereits vom Willen des Mephistopheles geführt wird. Bildlich erscheint Faust als innerlich gefangen, noch bevor der Vertrag überhaupt geschrieben ist.
Goethes „Faust“ im Bild: drei dramatische Deutungen
Goethes Faust illustrieren
Friedrich August Moritz Retzsch gehörte zu den ersten Künstlern, die Goethes Faust bildlich umsetzten. Bereits 1808 hatte er Szenen gezeichnet, die er Goethe 1810 zeigte; 1816 erschien sein Zyklus von 26 Radierungen, den Goethe für die einfallsreiche Komposition und die ausdrucksstarken Figuren lobte. Die hier gezeigte Zeichnung wiederholt die zweite Radierung: Faust und Wagner auf ihrem Osterspaziergang, während Mephistopheles rechts als Pudel lauert – vermutlich als Alternative zum gedruckten Blatt angeboten.
Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere zeigt Faust im Auerbachs Keller, wo Mephistopheles für lärmende Zecher den Wein aus dem Tisch fließen lässt; Faust, grüblerisch und unbeeindruckt, wendet sich ab. Die um 1850 datierte Zeichnung bezieht sich auf ein heute verlorenes Gemälde. Um 1960 illustriert Josef Hegenbarth den Moment unmittelbar vor der Unterzeichnung des Pakts: Faust zögert noch, den Kopf zweifelnd zurückgewandt, während Mephisto mit fleischiger Nase und sardonischem Grinsen ihm eine Hand auf die Schulter legt. Eine schwarze Linie scheint vom Körper des Dämons in Fausts Arm zu laufen und deutet an, dass die Hand des Gelehrten bereits von Mephistopheles’ Willen gelenkt wird.
Friedrich August Moritz Retzsch gehörte zu den ersten Künstlern, die Goethes Faust bildlich umsetzten. Bereits 1808 hatte er Szenen gezeichnet, die er Goethe 1810 zeigte; 1816 erschien sein Zyklus von 26 Radierungen, den Goethe für die einfallsreiche Komposition und die ausdrucksstarken Figuren lobte. Die hier gezeigte Zeichnung wiederholt die zweite Radierung: Faust und Wagner auf ihrem Osterspaziergang, während Mephistopheles rechts als Pudel lauert – vermutlich als Alternative zum gedruckten Blatt angeboten.
Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere zeigt Faust im Auerbachs Keller, wo Mephistopheles für lärmende Zecher den Wein aus dem Tisch fließen lässt; Faust, grüblerisch und unbeeindruckt, wendet sich ab. Die um 1850 datierte Zeichnung bezieht sich auf ein heute verlorenes Gemälde. Um 1960 illustriert Josef Hegenbarth den Moment unmittelbar vor der Unterzeichnung des Pakts: Faust zögert noch, den Kopf zweifelnd zurückgewandt, während Mephisto mit fleischiger Nase und sardonischem Grinsen ihm eine Hand auf die Schulter legt. Eine schwarze Linie scheint vom Körper des Dämons in Fausts Arm zu laufen und deutet an, dass die Hand des Gelehrten bereits von Mephistopheles’ Willen gelenkt wird.
Goethes geheime Italienreise und seine römische Wiedergeburt
Goethes Italienische Reise und seine römische Wiedergeburt
Anfang September 1786 brach Johann Wolfgang Goethe im Alter von siebenunddreißig Jahren heimlich zu der längsten und entscheidendsten Reise seines Lebens auf. Er verließ Weimar, ohne Freunde oder Kollegen zu warnen, und reiste inkognito als Kaufmann „Giovanni Filippo Moeller“, auf der Flucht vor amtlichen Pflichten, gesellschaftlichen Verpflichtungen und seiner schmerzlichen, unerfüllten Liebe zu der verheirateten Charlotte von Stein. Dank der finanziellen Unterstützung durch Herzog Carl August konnte er ohne Geldsorgen reisen und führte den damals maßgeblichen deutschen Reiseführer „Volkmann“ sowie Manuskripte mit sich, deren Fertigstellung er seinem Verleger Göschen versprochen hatte.
Seine Route führte ihn über den Brennerpass und den Gardasee über Verona, Vicenza und Venedig, dann über Ferrara, Bologna, Florenz, Perugia und Assisi nach Rom – das eigentliche Ziel seiner Sehnsucht seit Kindertagen, genährt durch die italienischen Andenken seines Vaters und Ansichten römischer Monumente. Nach 56 Tagen betrat er am 29. Oktober 1786 die Stadt durch die Porta del Popolo und schrieb bald darauf erleichtert: „Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt angekommen!“ In Rom hoffte er auf eine persönliche „Wiedergeburt“ durch die Begegnung mit der Antike in Leben und Kunst. Das Reisetagebuch, das vor allem für Charlotte geschrieben war, bricht bei seiner Ankunft ab und wird durch Briefe ersetzt, die verkünden, dass Giovanni Filippo Moellers römisches Abenteuer begonnen hat.
Anfang September 1786 brach Johann Wolfgang Goethe im Alter von siebenunddreißig Jahren heimlich zu der längsten und entscheidendsten Reise seines Lebens auf. Er verließ Weimar, ohne Freunde oder Kollegen zu warnen, und reiste inkognito als Kaufmann „Giovanni Filippo Moeller“, auf der Flucht vor amtlichen Pflichten, gesellschaftlichen Verpflichtungen und seiner schmerzlichen, unerfüllten Liebe zu der verheirateten Charlotte von Stein. Dank der finanziellen Unterstützung durch Herzog Carl August konnte er ohne Geldsorgen reisen und führte den damals maßgeblichen deutschen Reiseführer „Volkmann“ sowie Manuskripte mit sich, deren Fertigstellung er seinem Verleger Göschen versprochen hatte.
Seine Route führte ihn über den Brennerpass und den Gardasee über Verona, Vicenza und Venedig, dann über Ferrara, Bologna, Florenz, Perugia und Assisi nach Rom – das eigentliche Ziel seiner Sehnsucht seit Kindertagen, genährt durch die italienischen Andenken seines Vaters und Ansichten römischer Monumente. Nach 56 Tagen betrat er am 29. Oktober 1786 die Stadt durch die Porta del Popolo und schrieb bald darauf erleichtert: „Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt angekommen!“ In Rom hoffte er auf eine persönliche „Wiedergeburt“ durch die Begegnung mit der Antike in Leben und Kunst. Das Reisetagebuch, das vor allem für Charlotte geschrieben war, bricht bei seiner Ankunft ab und wird durch Briefe ersetzt, die verkünden, dass Giovanni Filippo Moellers römisches Abenteuer begonnen hat.
Goethes römisches Zimmer an der Via del Corso
Goethes Zimmer in der Via del Corso
Während seines ersten Aufenthalts in Rom (1786–1787) lebte Goethe in diesem Teil des Gebäudes in der Via del Corso 18. Zwar hat sich die originale Möblierung nicht erhalten, doch die Dokumente in den Vitrinen zeichnen seine Reise von Karlsbad, das er am 3. September 1786 verließ, bis zu seinem Leben innerhalb der deutschen Künstlergemeinschaft hier nach. Zeugnisse wie Hausregister und Rechnungen bestätigen seine Anwesenheit und seinen Alltag in der Stadt, die er die „Hauptstadt der Welt“ nannte.
Möglicherweise malte Johann Heinrich Wilhelm Tischbein das berühmte Aquarell Goethe am Fenster genau in diesem Zimmer. Elemente der Zeichnung – der Terrakottaboden und die traditionellen hölzernen Fensterläden – wurden im Ausstellungsdesign aufgegriffen. Weitere Skizzen Tischbeins zeigen das entspannte, bohemienhafte Leben, nach dem Goethe sich in Weimar lange gesehnt hatte: gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche und künstlerische Arbeit statt Hofpflichten. In Rom freundete er sich auch mit der Malerin Angelika Kauffmann an, die sein Porträt malte; nach seiner Abreise schrieb sie im Mai 1788, der Tag seines Weggangs sei „einer der traurigsten Tage“ ihres Lebens gewesen.
Während seines ersten Aufenthalts in Rom (1786–1787) lebte Goethe in diesem Teil des Gebäudes in der Via del Corso 18. Zwar hat sich die originale Möblierung nicht erhalten, doch die Dokumente in den Vitrinen zeichnen seine Reise von Karlsbad, das er am 3. September 1786 verließ, bis zu seinem Leben innerhalb der deutschen Künstlergemeinschaft hier nach. Zeugnisse wie Hausregister und Rechnungen bestätigen seine Anwesenheit und seinen Alltag in der Stadt, die er die „Hauptstadt der Welt“ nannte.
Möglicherweise malte Johann Heinrich Wilhelm Tischbein das berühmte Aquarell Goethe am Fenster genau in diesem Zimmer. Elemente der Zeichnung – der Terrakottaboden und die traditionellen hölzernen Fensterläden – wurden im Ausstellungsdesign aufgegriffen. Weitere Skizzen Tischbeins zeigen das entspannte, bohemienhafte Leben, nach dem Goethe sich in Weimar lange gesehnt hatte: gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche und künstlerische Arbeit statt Hofpflichten. In Rom freundete er sich auch mit der Malerin Angelika Kauffmann an, die sein Porträt malte; nach seiner Abreise schrieb sie im Mai 1788, der Tag seines Weggangs sei „einer der traurigsten Tage“ ihres Lebens gewesen.

Piazza Navona mit dem Vierströmebrunnen
Goethes römisches Zimmer am Corso und sein Leben unter Künstlern
Goethes Zimmer am Corso
Während seines ersten Aufenthalts in Rom (1786–1787) lebte Johann Wolfgang Goethe in diesem Teil des Gebäudes. Die originale Einrichtung ist verloren, doch das Zimmer erinnert an seine Reise aus Karlsbad, das er am 3. September 1786 heimlich verließ, und an sein neues Leben in der Künstlergemeinschaft in der Via del Corso 18.
Die Dokumente in den Vitrinen bestätigen Goethes Aufenthalt hier und veranschaulichen seinen Tagesablauf in der Stadt, die er die „Hauptstadt der Welt“ nannte. Sein Mitbewohner Johann Heinrich Wilhelm Tischbein hat möglicherweise in eben diesem Raum das berühmte Aquarell Goethe am Fenster gemalt; Details wie der Terrakottaboden und die traditionellen Holzläden (scuri) prägten die Gestaltung der heutigen Ausstellung. Weitere Zeichnungen Tischbeins fangen das unbeschwerte, bohemienhafte Leben ein, das Goethe sich in Weimar lange gewünscht hatte.
In Rom schloss Goethe eine enge Freundschaft mit der Malerin Angelika Kauffmann, die ihn während seines Aufenthalts porträtierte. Nach seiner Abreise schrieb sie am 10. Mai 1788: „Dein Abschied drang in mein Herz und in meine Seele; der Tag deiner Abreise war einer der traurigsten Tage meines Lebens.“
Während seines ersten Aufenthalts in Rom (1786–1787) lebte Johann Wolfgang Goethe in diesem Teil des Gebäudes. Die originale Einrichtung ist verloren, doch das Zimmer erinnert an seine Reise aus Karlsbad, das er am 3. September 1786 heimlich verließ, und an sein neues Leben in der Künstlergemeinschaft in der Via del Corso 18.
Die Dokumente in den Vitrinen bestätigen Goethes Aufenthalt hier und veranschaulichen seinen Tagesablauf in der Stadt, die er die „Hauptstadt der Welt“ nannte. Sein Mitbewohner Johann Heinrich Wilhelm Tischbein hat möglicherweise in eben diesem Raum das berühmte Aquarell Goethe am Fenster gemalt; Details wie der Terrakottaboden und die traditionellen Holzläden (scuri) prägten die Gestaltung der heutigen Ausstellung. Weitere Zeichnungen Tischbeins fangen das unbeschwerte, bohemienhafte Leben ein, das Goethe sich in Weimar lange gewünscht hatte.
In Rom schloss Goethe eine enge Freundschaft mit der Malerin Angelika Kauffmann, die ihn während seines Aufenthalts porträtierte. Nach seiner Abreise schrieb sie am 10. Mai 1788: „Dein Abschied drang in mein Herz und in meine Seele; der Tag deiner Abreise war einer der traurigsten Tage meines Lebens.“
Goethes Italienreise und seine Suche nach Wiedergeburt
Goethes Italienische Reise (1786–1788)
Im September 1786 brach Johann Wolfgang Goethe, damals 37 Jahre alt, unter abenteuerlichen Umständen zu der längsten und entscheidendsten Reise seines Lebens auf. Bereits ein berühmter Dichter und Staatsminister in Weimar, verließ er die Stadt, ohne seine Freunde zu warnen, auf der Suche nach einem Ausweg aus amtlichen Pflichten, gesellschaftlichen Erwartungen und einer unerfüllten Liebe zu der verheirateten Charlotte von Stein. In Italien hoffte er auf eine „Wiedergeburt“, die ihn seiner wahren Berufung näherbringen sollte, wobei die Antike als Leitideal für sein Schreiben wie für seine Kunst diente.
Um nicht erkannt zu werden, reiste er allein als Kaufmann „Giovanni Filippo Moeller“, ausgestattet mit dem damals gängigen deutschen Reiseführer und Manuskripten, die er seinem Verleger versprochen hatte und für die er einen Vorschuss erhalten hatte. Finanziell unterstützt von Herzog Carl August, erlebte er die ersten Wochen in einem Zustand intensiven Glücks und großer Freiheit und hielt seine Eindrücke in einem Tagebuch fest, das an Charlotte gerichtet war, von der er sich trotz der verheimlichten Pläne noch nicht ganz lösen konnte. Seine Route führte ihn über den Brennerpass an den Gardasee, dann über Verona, Vicenza und Venedig weiter nach Ferrara, Bologna, Florenz, Perugia und Assisi. Nach 56 Tagen und rund 1.500 Kilometern erreichte er am 29. Oktober 1786 durch die Porta del Popolo Rom, das er später „die Hauptstadt der Welt“ nannte. Dort, im Kreis der deutschen Künstler am Corso, fand er neue Kräfte und eine neue Weise, Kunst, Leben und wissenschaftliche Neugier zu vereinen – eine Erfahrung, an die er als die glücklichste Zeit seines Lebens zurückdachte.
Im September 1786 brach Johann Wolfgang Goethe, damals 37 Jahre alt, unter abenteuerlichen Umständen zu der längsten und entscheidendsten Reise seines Lebens auf. Bereits ein berühmter Dichter und Staatsminister in Weimar, verließ er die Stadt, ohne seine Freunde zu warnen, auf der Suche nach einem Ausweg aus amtlichen Pflichten, gesellschaftlichen Erwartungen und einer unerfüllten Liebe zu der verheirateten Charlotte von Stein. In Italien hoffte er auf eine „Wiedergeburt“, die ihn seiner wahren Berufung näherbringen sollte, wobei die Antike als Leitideal für sein Schreiben wie für seine Kunst diente.
Um nicht erkannt zu werden, reiste er allein als Kaufmann „Giovanni Filippo Moeller“, ausgestattet mit dem damals gängigen deutschen Reiseführer und Manuskripten, die er seinem Verleger versprochen hatte und für die er einen Vorschuss erhalten hatte. Finanziell unterstützt von Herzog Carl August, erlebte er die ersten Wochen in einem Zustand intensiven Glücks und großer Freiheit und hielt seine Eindrücke in einem Tagebuch fest, das an Charlotte gerichtet war, von der er sich trotz der verheimlichten Pläne noch nicht ganz lösen konnte. Seine Route führte ihn über den Brennerpass an den Gardasee, dann über Verona, Vicenza und Venedig weiter nach Ferrara, Bologna, Florenz, Perugia und Assisi. Nach 56 Tagen und rund 1.500 Kilometern erreichte er am 29. Oktober 1786 durch die Porta del Popolo Rom, das er später „die Hauptstadt der Welt“ nannte. Dort, im Kreis der deutschen Künstler am Corso, fand er neue Kräfte und eine neue Weise, Kunst, Leben und wissenschaftliche Neugier zu vereinen – eine Erfahrung, an die er als die glücklichste Zeit seines Lebens zurückdachte.

Homerischer Dialog
Auf nach Rom: Goethes zielstrebige Italienreise
Auf nach Rom: Stimmen aus der Italienischen Reise
Anfang September 1786 schlich Goethe vor Tagesanbruch aus Karlsbad davon: „Am 3. September um 3 Uhr morgens schlich ich mich aus Karlsbad davon, sie hätten mich nicht gehen lassen, wenn ich es nicht getan hätte“ (Italienische Reise, 6. September 1786). Auf dem Weg nach Süden hielt er fest, wie eng er auf sein Ziel fokussiert war: „Wie vieles bemerke ich rechts und links nicht, um nur dieses eine Ziel zu erfüllen“ (12. September 1786).
Dennoch erlaubte er sich Umwege der Schönheit wegen, etwa am Gardasee: „Ich hätte heute Abend in Verona sein können, aber es gab noch eine großartige Naturansicht in der Nähe, die ich nicht versäumen wollte.“ Am 28. September sah er zum ersten Mal Venedig, „diese Biberrepublik“, und beschloss kurz darauf, rasch durch Florenz zu reisen, um seine Sehnsucht nach Rom zu stillen: „Ich werde nur durch Florenz hindurchfahren und direkt auf Rom lossteuern. Ich werde an nichts Freude haben, bis dieses erste Bedürfnis gestillt ist.“ Am 28. Oktober schrieb er: „Nun denn, morgen Abend Rom!“ – und am nächsten Tag betrat er die Stadt, die schon lange das Ziel seiner Wünsche gewesen war.
Anfang September 1786 schlich Goethe vor Tagesanbruch aus Karlsbad davon: „Am 3. September um 3 Uhr morgens schlich ich mich aus Karlsbad davon, sie hätten mich nicht gehen lassen, wenn ich es nicht getan hätte“ (Italienische Reise, 6. September 1786). Auf dem Weg nach Süden hielt er fest, wie eng er auf sein Ziel fokussiert war: „Wie vieles bemerke ich rechts und links nicht, um nur dieses eine Ziel zu erfüllen“ (12. September 1786).
Dennoch erlaubte er sich Umwege der Schönheit wegen, etwa am Gardasee: „Ich hätte heute Abend in Verona sein können, aber es gab noch eine großartige Naturansicht in der Nähe, die ich nicht versäumen wollte.“ Am 28. September sah er zum ersten Mal Venedig, „diese Biberrepublik“, und beschloss kurz darauf, rasch durch Florenz zu reisen, um seine Sehnsucht nach Rom zu stillen: „Ich werde nur durch Florenz hindurchfahren und direkt auf Rom lossteuern. Ich werde an nichts Freude haben, bis dieses erste Bedürfnis gestillt ist.“ Am 28. Oktober schrieb er: „Nun denn, morgen Abend Rom!“ – und am nächsten Tag betrat er die Stadt, die schon lange das Ziel seiner Wünsche gewesen war.
Franz Albert Venus und die stillen Wellen der römischen Campagna
Die römische Campagna und Franz Albert Venus
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert erschien der ländliche Gürtel um Rom, die Campagna Romana oder Agro Romano, als sumpfige Ebene mit verstreuten, stehenden Tümpeln, in der im Sommer Malaria unter Hirten und Bauern wütete. Reisende durchquerten sie meist rasch auf der Via Appia, auf dem Weg zu den Albaner Bergen und schließlich nach Brindisi; nur selten war sie ein Reiseziel an sich, und frühe pittoreske Darstellungen sind rar. Erst im 19. Jahrhundert begannen Landschaftsmaler, die Kargheit der Campagna als künstlerische Herausforderung zu begreifen. Italienische, deutsche, skandinavische und englische Künstler wandten sich ihren niedrigen Hügeln, Ruinen, Rinderherden und berittenen Butteri zu und machten die Region zu einem bevorzugten Motiv.
Unter ihnen war Franz Albert Venus, der sich 1866/67 und erneut 1869 in Rom aufhielt. Er beschrieb die Campagna als „ein stilles Meer fein geschwungener, erstarrter Wellen von Hügeln“. Sein Aquarell hier zeigt eine nicht näher identifizierte Ruine nordöstlich von Rom, im Gebiet des heutigen Stadtteils Monte Sacro. Am Horizont erhebt sich der Monte Gennaro; links liegt das Dorf Palombara Sabina. Typische Schilfhütten der Bewohner der Campagna drängen sich an die antike Struktur. Doch trotz dieser präzisen Bezüge ist das Werk vor allem eine atmosphärische Studie. Venus interessiert sich weniger für die Topografie als für das Spiel von Licht und Farbe über den „Wellen von Hügeln“, deren horizontale Rhythmen von Bergen und Wolken aufgegriffen werden und feste Formen in leuchtende Bänder auflösen.
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert erschien der ländliche Gürtel um Rom, die Campagna Romana oder Agro Romano, als sumpfige Ebene mit verstreuten, stehenden Tümpeln, in der im Sommer Malaria unter Hirten und Bauern wütete. Reisende durchquerten sie meist rasch auf der Via Appia, auf dem Weg zu den Albaner Bergen und schließlich nach Brindisi; nur selten war sie ein Reiseziel an sich, und frühe pittoreske Darstellungen sind rar. Erst im 19. Jahrhundert begannen Landschaftsmaler, die Kargheit der Campagna als künstlerische Herausforderung zu begreifen. Italienische, deutsche, skandinavische und englische Künstler wandten sich ihren niedrigen Hügeln, Ruinen, Rinderherden und berittenen Butteri zu und machten die Region zu einem bevorzugten Motiv.
Unter ihnen war Franz Albert Venus, der sich 1866/67 und erneut 1869 in Rom aufhielt. Er beschrieb die Campagna als „ein stilles Meer fein geschwungener, erstarrter Wellen von Hügeln“. Sein Aquarell hier zeigt eine nicht näher identifizierte Ruine nordöstlich von Rom, im Gebiet des heutigen Stadtteils Monte Sacro. Am Horizont erhebt sich der Monte Gennaro; links liegt das Dorf Palombara Sabina. Typische Schilfhütten der Bewohner der Campagna drängen sich an die antike Struktur. Doch trotz dieser präzisen Bezüge ist das Werk vor allem eine atmosphärische Studie. Venus interessiert sich weniger für die Topografie als für das Spiel von Licht und Farbe über den „Wellen von Hügeln“, deren horizontale Rhythmen von Bergen und Wolken aufgegriffen werden und feste Formen in leuchtende Bänder auflösen.
Hackerts Wasserfall von Isola del Liri: Kunst, Verlust und Rückkehr
Hackerts Wasserfall bei Isola del Liri: Die Reise eines Gemäldes
Das hier gezeigte Gemälde zeigt die Cascata del Valcatoio in Isola del Liri, südlich von Frosinone und im 18. Jahrhundert als Isola di Sora bekannt. Im Ortszentrum teilt sich der Fluss Liri in zwei Arme und bildet zwei Wasserfälle: den hier dargestellten und dahinter die Cascata Grande. Auf dem Hügel steht das Schloss Boncompagni (seit 1924 im Besitz der Familie Viscogliosi), rechts davon die Kapelle Santa Maria delle Grazie; weiter rechts ragen die Doppeltürme von San Lorenzo Martire über die Dächer.
Hackert „entdeckte“ diesen Ort 1773 auf einem Ausflug für die Kunst und gehörte zu den Ersten, die ihn darstellten. Das 1794 ausgeführte Gemälde ist ein akribisches Landschaftsporträt, das Gebäude, Wasser und Gelände ohne Idealisierung festhält. Es spiegelt ein aufklärerisches Interesse an dokumentarischer Genauigkeit wider, das Goethe besonders schätzte.
Um 1900 befand sich das Werk im Besitz von Franz Rappolt (1870–1945), eines wohlhabenden jüdischen Textilkaufmanns in Hamburg. 1938 wurde seine Firma „arisiert“, und er wurde gezwungen, sein Unternehmen und später auch seine Villa zu verkaufen. Rappolt wurde 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Zuvor war er gezwungen worden, Hackerts Gemälde zu einem niedrigen Preis an den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt für das geplante „Hitler-Museum“ in Linz zu veräußern. 1945 wurde das Werk von amerikanischen Truppen beschlagnahmt und gelangte in die Sammlung des Auswärtigen Amts in Bonn. 2017 wurde es an Rappolts Erben restituiert, die es als Dauerleihgabe an die Casa di Goethe gaben.
Hackert selbst hatte von 1768 bis 1786 in der Nähe der Spanischen Treppe in Rom gelebt und war mit Tischbein gut bekannt. Sein Gemälde kehrt damit gewissermaßen in den Kreis der Künstler zurück, die einst Goethes römische Welt belebten.
Das hier gezeigte Gemälde zeigt die Cascata del Valcatoio in Isola del Liri, südlich von Frosinone und im 18. Jahrhundert als Isola di Sora bekannt. Im Ortszentrum teilt sich der Fluss Liri in zwei Arme und bildet zwei Wasserfälle: den hier dargestellten und dahinter die Cascata Grande. Auf dem Hügel steht das Schloss Boncompagni (seit 1924 im Besitz der Familie Viscogliosi), rechts davon die Kapelle Santa Maria delle Grazie; weiter rechts ragen die Doppeltürme von San Lorenzo Martire über die Dächer.
Hackert „entdeckte“ diesen Ort 1773 auf einem Ausflug für die Kunst und gehörte zu den Ersten, die ihn darstellten. Das 1794 ausgeführte Gemälde ist ein akribisches Landschaftsporträt, das Gebäude, Wasser und Gelände ohne Idealisierung festhält. Es spiegelt ein aufklärerisches Interesse an dokumentarischer Genauigkeit wider, das Goethe besonders schätzte.
Um 1900 befand sich das Werk im Besitz von Franz Rappolt (1870–1945), eines wohlhabenden jüdischen Textilkaufmanns in Hamburg. 1938 wurde seine Firma „arisiert“, und er wurde gezwungen, sein Unternehmen und später auch seine Villa zu verkaufen. Rappolt wurde 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Zuvor war er gezwungen worden, Hackerts Gemälde zu einem niedrigen Preis an den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt für das geplante „Hitler-Museum“ in Linz zu veräußern. 1945 wurde das Werk von amerikanischen Truppen beschlagnahmt und gelangte in die Sammlung des Auswärtigen Amts in Bonn. 2017 wurde es an Rappolts Erben restituiert, die es als Dauerleihgabe an die Casa di Goethe gaben.
Hackert selbst hatte von 1768 bis 1786 in der Nähe der Spanischen Treppe in Rom gelebt und war mit Tischbein gut bekannt. Sein Gemälde kehrt damit gewissermaßen in den Kreis der Künstler zurück, die einst Goethes römische Welt belebten.

Kniender Ritter
Johann Georg Schütz und der Saturntempel in Rom
Johann Georg Schütz und der Saturntempel
Johann Georg Schütz (1755–1813) aus Frankfurt war einer von Goethes Mitbewohnern in der gemeinsamen Künstlerwohnung in der Via del Corso 18. Nachdem er 1784 in Rom eingetroffen war, bewegte er sich im Kreis der deutschen Künstler und war mit Angelika Kauffmann befreundet. Schütz fungierte häufig als Goethes Führer bei Spaziergängen durch die Stadt und war, wie der Dichter vermerkte, „oft nützlich“. 1788 fertigte er die Vorzeichnungen zu Goethes „Römischem Karneval“ an.
Die hier gezeigte Zeichnung stellt den Saturntempel auf dem Forum Romanum dar. Zu Goethes Zeit hatten systematische Ausgrabungen noch nicht begonnen; viele Monumente lagen halb verschüttet und überwuchert, und das Forum, auf dem Vieh weidete, war als Campo Vaccino bekannt. Der antike Tempel, der 497 v. Chr. geweiht worden war, war sogar zu einem niedrigen Pferdestall umfunktioniert worden, was auf dem Blatt deutlich zu erkennen ist. Im Hintergrund erhebt sich der Bogen des Septimius Severus, noch tief im Boden versunken. Zwei Männer spielen auf einer Bank Mandoline, während ein dritter, begleitet von einem Esel und einem Hund, tanzend vorbeizieht. Schütz verbindet so eine sorgfältige Dokumentation des Zustands der Ruine mit einem lebendigen Einblick in das römische Alltagsleben – so, wie Goethe und er es auf ihren Streifzügen durch das antike Rom erlebt haben dürften.
Johann Georg Schütz (1755–1813) aus Frankfurt war einer von Goethes Mitbewohnern in der gemeinsamen Künstlerwohnung in der Via del Corso 18. Nachdem er 1784 in Rom eingetroffen war, bewegte er sich im Kreis der deutschen Künstler und war mit Angelika Kauffmann befreundet. Schütz fungierte häufig als Goethes Führer bei Spaziergängen durch die Stadt und war, wie der Dichter vermerkte, „oft nützlich“. 1788 fertigte er die Vorzeichnungen zu Goethes „Römischem Karneval“ an.
Die hier gezeigte Zeichnung stellt den Saturntempel auf dem Forum Romanum dar. Zu Goethes Zeit hatten systematische Ausgrabungen noch nicht begonnen; viele Monumente lagen halb verschüttet und überwuchert, und das Forum, auf dem Vieh weidete, war als Campo Vaccino bekannt. Der antike Tempel, der 497 v. Chr. geweiht worden war, war sogar zu einem niedrigen Pferdestall umfunktioniert worden, was auf dem Blatt deutlich zu erkennen ist. Im Hintergrund erhebt sich der Bogen des Septimius Severus, noch tief im Boden versunken. Zwei Männer spielen auf einer Bank Mandoline, während ein dritter, begleitet von einem Esel und einem Hund, tanzend vorbeizieht. Schütz verbindet so eine sorgfältige Dokumentation des Zustands der Ruine mit einem lebendigen Einblick in das römische Alltagsleben – so, wie Goethe und er es auf ihren Streifzügen durch das antike Rom erlebt haben dürften.
Goethes römischer Haushalt in der Via del Corso
Goethes römischer Haushalt in der Via del Corso
Als Goethe unerwartet in Rom ankam, logierte er zunächst in einem bescheidenen Gasthof, bevor er die Einladung des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein annahm, eine Wohnung in der Via del Corso, unweit der Piazza del Popolo, mit ihm zu teilen. Unter dem Aliasnamen „Giovanni Filippo Moeller, Deutscher, Maler“ registriert, entschied er sich dafür, als Künstler statt als Weimarer Minister zu leben. Forschungen in Haushaltsunterlagen zeigen, dass er vermutlich den Großteil der Lebenshaltungskosten für seinen kleinen Kreis deutscher Freunde und Künstler trug. Schlichte Möbel, informelle Skizzen Goethes in Pantoffeln am Fenster und Abende, die mit Lesen und Scherzen verbracht wurden, offenbaren ein Leben, das von höfischen Pflichten befreit war und sich stattdessen dem Studium, der Freundschaft und der Wiederentdeckung seiner selbst in der „Ewigen Stadt“ widmete.
Als Goethe unerwartet in Rom ankam, logierte er zunächst in einem bescheidenen Gasthof, bevor er die Einladung des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein annahm, eine Wohnung in der Via del Corso, unweit der Piazza del Popolo, mit ihm zu teilen. Unter dem Aliasnamen „Giovanni Filippo Moeller, Deutscher, Maler“ registriert, entschied er sich dafür, als Künstler statt als Weimarer Minister zu leben. Forschungen in Haushaltsunterlagen zeigen, dass er vermutlich den Großteil der Lebenshaltungskosten für seinen kleinen Kreis deutscher Freunde und Künstler trug. Schlichte Möbel, informelle Skizzen Goethes in Pantoffeln am Fenster und Abende, die mit Lesen und Scherzen verbracht wurden, offenbaren ein Leben, das von höfischen Pflichten befreit war und sich stattdessen dem Studium, der Freundschaft und der Wiederentdeckung seiner selbst in der „Ewigen Stadt“ widmete.
Franz Albert Venus und die schimmernden Hügel der Campagna
Franz Albert Venus und die Campagna in Aquarell
Franz Albert Venus, der 1866–1867 und erneut 1869 in Rom weilte, betrachtete die römische Campagna als eines seiner bevorzugten Motive und beschrieb sie als ein „stilles Meer fein geschwungener, erstarrter Wellen von Hügeln“. Das hier gezeigte Aquarell zeigt eine nicht näher identifizierte Ruine nordöstlich der Stadt, im Gebiet des heutigen Stadtteils Monte Sacro. Am Horizont erhebt sich der Monte Gennaro, links ist das Dorf Palombara Sabina zu erkennen.
Neben der antiken Struktur und im fernen Hintergrund stehen kleine, zeltartige Schilfhütten, typische Behausungen der Bewohner der Campagna. Trotz vieler realistischer Details ist das Werk vor allem eine atmosphärische Studie. Venus konzentriert sich auf die wechselnden Farben der „Wellen von Hügeln“, die in horizontalen Bändern geschichtet sind, deren Rhythmus sich in den Bergen und dem bewölkten Himmel fortsetzt. Im Sommerlicht scheinen die Formen ihre Festigkeit fast zu verlieren, und die Landschaft löst sich in ein Spiel von Licht und Farbe auf.
Franz Albert Venus, der 1866–1867 und erneut 1869 in Rom weilte, betrachtete die römische Campagna als eines seiner bevorzugten Motive und beschrieb sie als ein „stilles Meer fein geschwungener, erstarrter Wellen von Hügeln“. Das hier gezeigte Aquarell zeigt eine nicht näher identifizierte Ruine nordöstlich der Stadt, im Gebiet des heutigen Stadtteils Monte Sacro. Am Horizont erhebt sich der Monte Gennaro, links ist das Dorf Palombara Sabina zu erkennen.
Neben der antiken Struktur und im fernen Hintergrund stehen kleine, zeltartige Schilfhütten, typische Behausungen der Bewohner der Campagna. Trotz vieler realistischer Details ist das Werk vor allem eine atmosphärische Studie. Venus konzentriert sich auf die wechselnden Farben der „Wellen von Hügeln“, die in horizontalen Bändern geschichtet sind, deren Rhythmus sich in den Bergen und dem bewölkten Himmel fortsetzt. Im Sommerlicht scheinen die Formen ihre Festigkeit fast zu verlieren, und die Landschaft löst sich in ein Spiel von Licht und Farbe auf.
Tischbein in Rom: Historienmalerei und künstlerische Allegorie
Tischbein in Rom: Historienmalerei und Allegorie
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein hielt sich erstmals von 1779 bis 1781 in Rom auf. 1780 malte er die Historienszene Oxyartes gibt seine Tochter Roxane Alexander zur Ehe. Der besiegte baktrische Herrscher Oxyartes sitzt auf seinem Thron, während Alexander rechts mit seinen Soldaten steht, in der linken Hand einen erlegten Löwen als Geschenk darbietend und die rechte nach Roxane ausstreckend. Tischbein hatte in Rom die Werke Raffaels studiert, darunter Die Vermählung Alexanders und Roxanes in der Villa Farnesina nach einem Entwurf Raffaels; die dortige Figur Alexanders diente ihm als Vorbild für seine eigene Komposition.
Nach einem Aufenthalt in der Schweiz kehrte Tischbein am 24. Januar 1783 nach Rom zurück und malte noch im selben Jahr die Allegorie der Poesie und Malerei. Links sitzt die Poesie und hält eine Lyra; rechts präsentiert die Malerei ein Bildfeld und erscheint deutlich als die dominierende Figur. Die Leinwand bringt das Selbstbewusstsein des Malers zum Ausdruck: Für Tischbein stand die Malerei der Dichtkunst in keiner Weise nach, die in seinem römischen Kreis durch seinen späteren Mitbewohner Goethe vertreten war, der am 30. Oktober 1786 in die deutsche Künstlergemeinschaft in der Via del Corso 18 einzog. Gemeinsam dokumentieren die beiden Werke Tischbeins ersten und zweiten Romaufenthalt: Die Allegorie formuliert seine Vorstellungen von den Künsten, während das Alexander-Gemälde seinen Anspruch und sein Können als Historienmaler demonstriert.
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein hielt sich erstmals von 1779 bis 1781 in Rom auf. 1780 malte er die Historienszene Oxyartes gibt seine Tochter Roxane Alexander zur Ehe. Der besiegte baktrische Herrscher Oxyartes sitzt auf seinem Thron, während Alexander rechts mit seinen Soldaten steht, in der linken Hand einen erlegten Löwen als Geschenk darbietend und die rechte nach Roxane ausstreckend. Tischbein hatte in Rom die Werke Raffaels studiert, darunter Die Vermählung Alexanders und Roxanes in der Villa Farnesina nach einem Entwurf Raffaels; die dortige Figur Alexanders diente ihm als Vorbild für seine eigene Komposition.
Nach einem Aufenthalt in der Schweiz kehrte Tischbein am 24. Januar 1783 nach Rom zurück und malte noch im selben Jahr die Allegorie der Poesie und Malerei. Links sitzt die Poesie und hält eine Lyra; rechts präsentiert die Malerei ein Bildfeld und erscheint deutlich als die dominierende Figur. Die Leinwand bringt das Selbstbewusstsein des Malers zum Ausdruck: Für Tischbein stand die Malerei der Dichtkunst in keiner Weise nach, die in seinem römischen Kreis durch seinen späteren Mitbewohner Goethe vertreten war, der am 30. Oktober 1786 in die deutsche Künstlergemeinschaft in der Via del Corso 18 einzog. Gemeinsam dokumentieren die beiden Werke Tischbeins ersten und zweiten Romaufenthalt: Die Allegorie formuliert seine Vorstellungen von den Künsten, während das Alexander-Gemälde seinen Anspruch und sein Können als Historienmaler demonstriert.
Goethe und Jakob Philipp Hackert: Kunst, Reisen und Sizilien
Goethe und Jakob Philipp Hackert
Goethe traf den Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert (1737–1807) im Februar 1787 in Neapel. Hackert, in Prenzlau geboren, hatte in Berlin seine Ausbildung erhalten, mehrere Jahre in Paris verbracht und sich 1768 in Rom niedergelassen, wo er für den römischen Adel und angesehene ausländische Reisende arbeitete. 1786 wurde er zum Hofmaler Ferdinands IV. in Neapel ernannt. Als französische Truppen die Stadt 1799 einnahmen, floh er in die Toskana und lebte später in Florenz, wo er bis zu seinem Tod blieb.
Goethe und Hackert entwickelten rasch eine Freundschaft, die auf gegenseitigem Respekt und ähnlichem Temperament beruhte. Im Sommer 1787 hielten sie sich gemeinsam in Tivoli auf, wo Hackert Goethe Zeichenunterricht gab. Goethes hohe Wertschätzung zeigt sich deutlich in seiner Bitte von 1805 um Hackerts Memoiren, die er bearbeitete und 1811 als Biografie veröffentlichte. Hackert war zudem ein Pionier der Reisen nach Sizilien, das außerhalb der üblichen „Grand Tour“ lag. Trotz der Gefahren durch Piraterie und der schlechten Infrastruktur besuchte er die Insel 1777 und veröffentlichte Radierungen mit Ansichten ihrer griechischen Tempel, die große Beachtung fanden. Teilweise von diesem Beispiel inspiriert, reiste Goethe im Frühjahr 1787 nach Sizilien und schrieb später: „Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist der Schlüssel zu allem.“
Goethe traf den Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert (1737–1807) im Februar 1787 in Neapel. Hackert, in Prenzlau geboren, hatte in Berlin seine Ausbildung erhalten, mehrere Jahre in Paris verbracht und sich 1768 in Rom niedergelassen, wo er für den römischen Adel und angesehene ausländische Reisende arbeitete. 1786 wurde er zum Hofmaler Ferdinands IV. in Neapel ernannt. Als französische Truppen die Stadt 1799 einnahmen, floh er in die Toskana und lebte später in Florenz, wo er bis zu seinem Tod blieb.
Goethe und Hackert entwickelten rasch eine Freundschaft, die auf gegenseitigem Respekt und ähnlichem Temperament beruhte. Im Sommer 1787 hielten sie sich gemeinsam in Tivoli auf, wo Hackert Goethe Zeichenunterricht gab. Goethes hohe Wertschätzung zeigt sich deutlich in seiner Bitte von 1805 um Hackerts Memoiren, die er bearbeitete und 1811 als Biografie veröffentlichte. Hackert war zudem ein Pionier der Reisen nach Sizilien, das außerhalb der üblichen „Grand Tour“ lag. Trotz der Gefahren durch Piraterie und der schlechten Infrastruktur besuchte er die Insel 1777 und veröffentlichte Radierungen mit Ansichten ihrer griechischen Tempel, die große Beachtung fanden. Teilweise von diesem Beispiel inspiriert, reiste Goethe im Frühjahr 1787 nach Sizilien und schrieb später: „Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist der Schlüssel zu allem.“
Goethe in Süditalien und seine Suche nach der Urpflanze
Die Umgebung Roms, Süditalien und die „Urpflanze“
Von Rom aus unternahm Goethe häufig Ausflüge in die nahegelegene Landschaft, besonders in die Albaner Berge und nach Tivoli, wo ihm der berühmte Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert Zeichenunterricht erteilte. Gemeinsam mit Tischbein reiste er nach Neapel und traf dort am 25. Februar 1787 ein. Die Stadt und der rauchende Kegel des Vesuv faszinierten ihn; dreimal bestieg er den Vulkan. Spätere Werke wie Franz Ludwig Catels kleines Ölbild des Vesuv und des Golfs von Neapel sowie Tischbeins idealisierte südliche Landschaft mit einem dorischen Tempel, der an Paestum erinnert, rufen die Anblicke ins Gedächtnis, die ihn so sehr beeindruckt hatten.
Am 20. März 1787 segelte Goethe mit dem Zeichner Christoph Heinrich Kniep nach Sizilien. Dort setzte er, während er Homer las, seine wissenschaftliche Suche nach der „Urpflanze“ fort – einem formalen Prinzip, aus dem sich alle Pflanzenformen entwickeln könnten. Bereits am 27. September 1786 hatte er im Botanischen Garten von Padua geahnt, „dass sich vielleicht alle Pflanzenformen aus einer entwickeln könnten“. Im Botanischen Garten von Palermo, angesichts einer üppigen Vielfalt, schrieb er: „Es ist unmöglich, dass sie nicht existiert! Wie sollte ich sonst erkennen, dass diese oder jene Struktur eine Pflanze ist, wenn sie nicht alle nach einem einzigen Modell gebildet wären?“ In seinem italienischen Tagebuch notierte er die Hypothese „alles ist Blatt“, eine einfache Regel, die unendliche Vielfalt hervorbringt.
Goethe veröffentlichte seine botanischen Forschungen 1790 als Studie über die „Metamorphose der Pflanzen“. Der Begriff der „Urpflanze“ verschwindet darin und wird von einem Interesse an den Gesetzen der Pflanzenbildung und an der Pflanze als dynamischem Wesen abgelöst. Seine Zeichnungen von Pflanzen und Mineralien, die er sein Leben lang anfertigte, spiegeln diese Verbindung von wissenschaftlicher Beobachtung und künstlerischer Praxis wider: Das Auge analysiert die Form in der Natur, die Hand hält sie fest, und die Kunst wird zu einer Weise, mit und durch die lebendige Welt zu denken.
Von Rom aus unternahm Goethe häufig Ausflüge in die nahegelegene Landschaft, besonders in die Albaner Berge und nach Tivoli, wo ihm der berühmte Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert Zeichenunterricht erteilte. Gemeinsam mit Tischbein reiste er nach Neapel und traf dort am 25. Februar 1787 ein. Die Stadt und der rauchende Kegel des Vesuv faszinierten ihn; dreimal bestieg er den Vulkan. Spätere Werke wie Franz Ludwig Catels kleines Ölbild des Vesuv und des Golfs von Neapel sowie Tischbeins idealisierte südliche Landschaft mit einem dorischen Tempel, der an Paestum erinnert, rufen die Anblicke ins Gedächtnis, die ihn so sehr beeindruckt hatten.
Am 20. März 1787 segelte Goethe mit dem Zeichner Christoph Heinrich Kniep nach Sizilien. Dort setzte er, während er Homer las, seine wissenschaftliche Suche nach der „Urpflanze“ fort – einem formalen Prinzip, aus dem sich alle Pflanzenformen entwickeln könnten. Bereits am 27. September 1786 hatte er im Botanischen Garten von Padua geahnt, „dass sich vielleicht alle Pflanzenformen aus einer entwickeln könnten“. Im Botanischen Garten von Palermo, angesichts einer üppigen Vielfalt, schrieb er: „Es ist unmöglich, dass sie nicht existiert! Wie sollte ich sonst erkennen, dass diese oder jene Struktur eine Pflanze ist, wenn sie nicht alle nach einem einzigen Modell gebildet wären?“ In seinem italienischen Tagebuch notierte er die Hypothese „alles ist Blatt“, eine einfache Regel, die unendliche Vielfalt hervorbringt.
Goethe veröffentlichte seine botanischen Forschungen 1790 als Studie über die „Metamorphose der Pflanzen“. Der Begriff der „Urpflanze“ verschwindet darin und wird von einem Interesse an den Gesetzen der Pflanzenbildung und an der Pflanze als dynamischem Wesen abgelöst. Seine Zeichnungen von Pflanzen und Mineralien, die er sein Leben lang anfertigte, spiegeln diese Verbindung von wissenschaftlicher Beobachtung und künstlerischer Praxis wider: Das Auge analysiert die Form in der Natur, die Hand hält sie fest, und die Kunst wird zu einer Weise, mit und durch die lebendige Welt zu denken.
Winckelmann und Goethe: Antike Kunst neu gedacht
Winckelmann und die Wiederentdeckung der Antike
Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) kam 1755 mit Unterstützung des sächsischen Hofes nach Rom und wurde 1763 Präfekt der vatikanischen Antikensammlung. Mit Schriften wie den Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (1755) und der Geschichte der Kunst des Altertums (1764) gilt er als Begründer der Kunstgeschichte und Archäologie. Als Erster beschrieb er antike Kunstwerke systematisch und ordnete sie in eine größere historische Entwicklung ein, verlagerte den Blick von Rom nach Griechenland und definierte die griechische Kunst durch ihre „edle Einfalt und stille Größe“.
Seine Monumenti antichi inediti (1767) präsentieren 216 Kupferstiche neu entdeckter antiker Werke des 18. Jahrhunderts. Ab 1759 war Winckelmann Bibliothekar des Kardinals Alessandro Albani, dessen Sammlungen einen Großteil seines Materials lieferten. Für diesen Wegbereiter des deutschen Klassizismus wurde die antike Kunst zum höchsten Vorbild.
Goethe suchte die Antike in Rom auch, um seine eigenen künstlerischen Vorstellungen an Winckelmanns Kriterien zu messen. Er kannte Winckelmanns Schriften bereits durch seinen Zeichenlehrer Adam Friedrich Oeser. Unter dem Einfluss des Kunsthistorikers Karl Philipp Moritz, den er in Rom kennenlernte, verfeinerte Goethe dieses Erbe später, indem er die künstlerische Individualität betonte und das Verhältnis von Kunst und Natur neu bestimmte – und damit über die bloße Nachahmung klassischer Ideale hinausging.
Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) kam 1755 mit Unterstützung des sächsischen Hofes nach Rom und wurde 1763 Präfekt der vatikanischen Antikensammlung. Mit Schriften wie den Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (1755) und der Geschichte der Kunst des Altertums (1764) gilt er als Begründer der Kunstgeschichte und Archäologie. Als Erster beschrieb er antike Kunstwerke systematisch und ordnete sie in eine größere historische Entwicklung ein, verlagerte den Blick von Rom nach Griechenland und definierte die griechische Kunst durch ihre „edle Einfalt und stille Größe“.
Seine Monumenti antichi inediti (1767) präsentieren 216 Kupferstiche neu entdeckter antiker Werke des 18. Jahrhunderts. Ab 1759 war Winckelmann Bibliothekar des Kardinals Alessandro Albani, dessen Sammlungen einen Großteil seines Materials lieferten. Für diesen Wegbereiter des deutschen Klassizismus wurde die antike Kunst zum höchsten Vorbild.
Goethe suchte die Antike in Rom auch, um seine eigenen künstlerischen Vorstellungen an Winckelmanns Kriterien zu messen. Er kannte Winckelmanns Schriften bereits durch seinen Zeichenlehrer Adam Friedrich Oeser. Unter dem Einfluss des Kunsthistorikers Karl Philipp Moritz, den er in Rom kennenlernte, verfeinerte Goethe dieses Erbe später, indem er die künstlerische Individualität betonte und das Verhältnis von Kunst und Natur neu bestimmte – und damit über die bloße Nachahmung klassischer Ideale hinausging.
Johann Georg Schütz und sein Blick auf das Forum Romanum
Johann Georg Schütz und das Forum Romanum
Johann Georg Schütz (1755–1813), ein Maler aus Frankfurt, war einer von Goethes Mitbewohnern in der Via del Corso 18. 1784 in Rom eingetroffen, bewegte er sich in deutschen Künstlerkreisen und freundete sich mit Angelika Kauffmann an. Schütz begleitete Goethe häufig auf dessen Spaziergängen durch die Stadt und war, wie der Dichter festhielt, als Führer „oft nützlich“. 1788 fertigte er Vorzeichnungen für Goethes „Römischen Karneval“ an. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt im Jahr 1790 arbeitete er dort bis zu seinem Tod als Landschafts- und Historienmaler.
Die hier gezeigte Zeichnung stellt den Saturntempel auf dem Forum Romanum in einer Zeit dar, als systematische Ausgrabungen noch nicht begonnen hatten. Viele Monumente lagen halb verschüttet und überwuchert; das Forum diente als Weideland und war als Campo Vaccino („Kuhfeld“) bekannt. Der 497 v. Chr. geweihte Saturntempel war sogar zu einem niedrigen Stall umfunktioniert worden, der im Bild deutlich zu erkennen ist. Im Hintergrund erhebt sich der Bogen des Septimius Severus, noch tief im Boden versunken. Im Vordergrund entfaltet sich das Alltagsleben: Zwei Männer sitzen auf einer Bank und spielen Mandoline, während ein dritter, der einen Esel und einen Hund führt, in einen Tanzschritt ausbricht. Schütz hält die antiken Ruinen mit großer Genauigkeit fest und vermittelt zugleich den belebten, ländlichen Charakter des Forums, wie Goethe und er ihn auf ihren Wanderungen erlebt haben dürften.
Goethe erinnerte sich später an den Blick vom Senatorenpalast im Februar 1788 als an eine „einzige Gegend in dieser Welt“, als er den Sonnenuntergang über dem Bogen des Septimius Severus, dem Campo Vaccino, dem Kolosseum und den Ruinen des Palatin beobachtete, „mit wilden Blumen und gepflegten Gärten geschmückt“.
Johann Georg Schütz (1755–1813), ein Maler aus Frankfurt, war einer von Goethes Mitbewohnern in der Via del Corso 18. 1784 in Rom eingetroffen, bewegte er sich in deutschen Künstlerkreisen und freundete sich mit Angelika Kauffmann an. Schütz begleitete Goethe häufig auf dessen Spaziergängen durch die Stadt und war, wie der Dichter festhielt, als Führer „oft nützlich“. 1788 fertigte er Vorzeichnungen für Goethes „Römischen Karneval“ an. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt im Jahr 1790 arbeitete er dort bis zu seinem Tod als Landschafts- und Historienmaler.
Die hier gezeigte Zeichnung stellt den Saturntempel auf dem Forum Romanum in einer Zeit dar, als systematische Ausgrabungen noch nicht begonnen hatten. Viele Monumente lagen halb verschüttet und überwuchert; das Forum diente als Weideland und war als Campo Vaccino („Kuhfeld“) bekannt. Der 497 v. Chr. geweihte Saturntempel war sogar zu einem niedrigen Stall umfunktioniert worden, der im Bild deutlich zu erkennen ist. Im Hintergrund erhebt sich der Bogen des Septimius Severus, noch tief im Boden versunken. Im Vordergrund entfaltet sich das Alltagsleben: Zwei Männer sitzen auf einer Bank und spielen Mandoline, während ein dritter, der einen Esel und einen Hund führt, in einen Tanzschritt ausbricht. Schütz hält die antiken Ruinen mit großer Genauigkeit fest und vermittelt zugleich den belebten, ländlichen Charakter des Forums, wie Goethe und er ihn auf ihren Wanderungen erlebt haben dürften.
Goethe erinnerte sich später an den Blick vom Senatorenpalast im Februar 1788 als an eine „einzige Gegend in dieser Welt“, als er den Sonnenuntergang über dem Bogen des Septimius Severus, dem Campo Vaccino, dem Kolosseum und den Ruinen des Palatin beobachtete, „mit wilden Blumen und gepflegten Gärten geschmückt“.
Goethes „Faust“: Von der Legende zum Lebenswerk
Goethe’s Faust: From Legend to Life’s Work
Goethe began working on the figure of Doctor Faust in the early 1770s in Frankfurt, composing an initial version known as the “Urfaust.” From this he developed Faust. A Fragment, completed in 1788 and published in 1790. An expanded Faust. A Tragedy appeared in 1808. Between 1825 and 1831 he returned once more to the material, completing Faust. The Second Part of the Tragedy, published posthumously in 1832.
The Faust legend, popular since the 1587 chapbook The History of Dr. Johann Fausten, had long circulated in puppet shows and adaptations; Goethe himself first encountered it at a puppet theatre around 1771–72. In Part I, the world-weary scholar Faust pledges his soul to Mephistopheles if the devil can free him from his dissatisfaction and provide constant renewal. Rejuvenated, Faust seduces Gretchen, whose mother and brother die through his actions; abandoned and desperate, she kills their child. Imprisoned and awaiting execution, she refuses to flee, convinced she must atone for her crime.
While the Gretchen tragedy occupies the first part, the second broadens Faust’s story into an allegory of humanity’s striving. Goethe saw the completion of Faust as his “main business.” When he finally finished it, he told his friend Eckermann that the rest of his life felt like a pure gift—whatever else he might still achieve no longer mattered as much as this work.
Goethe began working on the figure of Doctor Faust in the early 1770s in Frankfurt, composing an initial version known as the “Urfaust.” From this he developed Faust. A Fragment, completed in 1788 and published in 1790. An expanded Faust. A Tragedy appeared in 1808. Between 1825 and 1831 he returned once more to the material, completing Faust. The Second Part of the Tragedy, published posthumously in 1832.
The Faust legend, popular since the 1587 chapbook The History of Dr. Johann Fausten, had long circulated in puppet shows and adaptations; Goethe himself first encountered it at a puppet theatre around 1771–72. In Part I, the world-weary scholar Faust pledges his soul to Mephistopheles if the devil can free him from his dissatisfaction and provide constant renewal. Rejuvenated, Faust seduces Gretchen, whose mother and brother die through his actions; abandoned and desperate, she kills their child. Imprisoned and awaiting execution, she refuses to flee, convinced she must atone for her crime.
While the Gretchen tragedy occupies the first part, the second broadens Faust’s story into an allegory of humanity’s striving. Goethe saw the completion of Faust as his “main business.” When he finally finished it, he told his friend Eckermann that the rest of his life felt like a pure gift—whatever else he might still achieve no longer mattered as much as this work.
Goethes Reisen rund um Rom, Neapel und Sizilien
Ausflüge rund um Rom, Neapel und Sizilien
Von Rom aus unternahm Goethe zahlreiche Ausflüge in die umliegende Landschaft, besonders in die Albaner Berge und nach Tivoli, wo ihm der berühmte Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert Zeichenunterricht erteilte. Gemeinsam mit Tischbein reiste er nach Neapel und traf dort am 25. Februar 1787 ein. Die Stadt und die dramatische Präsenz des Vesuvs, den Goethe dreimal bestieg, beeindruckten ihn tief. Ein kleines Ölbild von Franz Ludwig Catel (1821), im Freien gemalt, zeigt den Vulkan und den Golf von Neapel, während ein großes Aquarell von Tischbein (1787) eine idealisierte südliche Landschaft mit einem dorischen Tempel heraufbeschwört, der an jene von Paestum erinnert.
Am 20. März 1787 schiffte sich Goethe zusammen mit dem Zeichner Christoph Heinrich Kniep nach Sizilien ein. Dort studierte er die Vegetation der Insel, während er Homer las, und bezeichnete Sizilien später als den Höhepunkt seiner Italienreise: „Italien ohne Sizilien macht in meiner Seele kein Bild: Hier ist der Schlüssel zu allem.“ Seine intensive Erfahrung des südlichen Lichts und der Farben in Landschaft und Kunst legte den Grundstein für seine spätere Farbenlehre.
Von Rom aus unternahm Goethe zahlreiche Ausflüge in die umliegende Landschaft, besonders in die Albaner Berge und nach Tivoli, wo ihm der berühmte Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert Zeichenunterricht erteilte. Gemeinsam mit Tischbein reiste er nach Neapel und traf dort am 25. Februar 1787 ein. Die Stadt und die dramatische Präsenz des Vesuvs, den Goethe dreimal bestieg, beeindruckten ihn tief. Ein kleines Ölbild von Franz Ludwig Catel (1821), im Freien gemalt, zeigt den Vulkan und den Golf von Neapel, während ein großes Aquarell von Tischbein (1787) eine idealisierte südliche Landschaft mit einem dorischen Tempel heraufbeschwört, der an jene von Paestum erinnert.
Am 20. März 1787 schiffte sich Goethe zusammen mit dem Zeichner Christoph Heinrich Kniep nach Sizilien ein. Dort studierte er die Vegetation der Insel, während er Homer las, und bezeichnete Sizilien später als den Höhepunkt seiner Italienreise: „Italien ohne Sizilien macht in meiner Seele kein Bild: Hier ist der Schlüssel zu allem.“ Seine intensive Erfahrung des südlichen Lichts und der Farben in Landschaft und Kunst legte den Grundstein für seine spätere Farbenlehre.
Goethe, Hackert und ein aufklärerischer Blick auf Isola del Liri
Goethe, Hackert und der Wasserfall von Isola del Liri
Jakob Philipp Hackert (1737–1807), ein Landschaftsmaler aus Prenzlau, ließ sich 1768 nach Jahren in Berlin und Paris in Rom nieder und arbeitete bald für römische Adelige und reisende Auftraggeber. 1786 wurde er Hofmaler Ferdinands IV. in Neapel. Als die Franzosen die Stadt 1799 eroberten, floh er in die Toskana und lebte später in Florenz. Goethe lernte Hackert im Februar 1787 in Neapel kennen; rasch entwickelte sich eine Freundschaft, die auf gegenseitigem Respekt und ähnlichem Temperament beruhte. Im Sommer desselben Jahres verbrachten sie gemeinsame Zeit in Tivoli, wo Hackert Goethe Zeichenunterricht gab. Später überarbeitete Goethe Hackerts Memoiren und veröffentlichte 1811 dessen Biografie.
Das hier gezeigte Gemälde, 1794 entstanden, zeigt die Cascata del Valcatoio in Isola del Liri (damals Isola di Sora genannt), südlich von Frosinone. Im Zentrum der Stadt teilt sich der Fluss Liri und bildet zwei Wasserfälle: den hier dargestellten Valcatoio und dahinter die Cascata Grande. Darüber erhebt sich das Schloss Boncompagni, mit der Kapelle Santa Maria delle Grazie rechts und den Doppeltürmen von San Lorenzo Martire weiter hinten. Hackert „entdeckte“ dieses Motiv 1773 erstmals für die Kunst, und seine detaillierte, ungeschönte Darstellung zeugt von einer aufklärerischen, dokumentarischen Auffassung der Landschaft, die Goethe sehr bewunderte. Die spätere Geschichte des Gemäldes – von der Sammlung des jüdischen Kaufmanns Franz Rappolt über die NS-Expropriation für das geplante „Hitler-Museum“ bis zur Rückerstattung nach dem Krieg und der Leihgabe an die Casa di Goethe – fügt seiner Biografie ein modernes Kapitel hinzu.
Jakob Philipp Hackert (1737–1807), ein Landschaftsmaler aus Prenzlau, ließ sich 1768 nach Jahren in Berlin und Paris in Rom nieder und arbeitete bald für römische Adelige und reisende Auftraggeber. 1786 wurde er Hofmaler Ferdinands IV. in Neapel. Als die Franzosen die Stadt 1799 eroberten, floh er in die Toskana und lebte später in Florenz. Goethe lernte Hackert im Februar 1787 in Neapel kennen; rasch entwickelte sich eine Freundschaft, die auf gegenseitigem Respekt und ähnlichem Temperament beruhte. Im Sommer desselben Jahres verbrachten sie gemeinsame Zeit in Tivoli, wo Hackert Goethe Zeichenunterricht gab. Später überarbeitete Goethe Hackerts Memoiren und veröffentlichte 1811 dessen Biografie.
Das hier gezeigte Gemälde, 1794 entstanden, zeigt die Cascata del Valcatoio in Isola del Liri (damals Isola di Sora genannt), südlich von Frosinone. Im Zentrum der Stadt teilt sich der Fluss Liri und bildet zwei Wasserfälle: den hier dargestellten Valcatoio und dahinter die Cascata Grande. Darüber erhebt sich das Schloss Boncompagni, mit der Kapelle Santa Maria delle Grazie rechts und den Doppeltürmen von San Lorenzo Martire weiter hinten. Hackert „entdeckte“ dieses Motiv 1773 erstmals für die Kunst, und seine detaillierte, ungeschönte Darstellung zeugt von einer aufklärerischen, dokumentarischen Auffassung der Landschaft, die Goethe sehr bewunderte. Die spätere Geschichte des Gemäldes – von der Sammlung des jüdischen Kaufmanns Franz Rappolt über die NS-Expropriation für das geplante „Hitler-Museum“ bis zur Rückerstattung nach dem Krieg und der Leihgabe an die Casa di Goethe – fügt seiner Biografie ein modernes Kapitel hinzu.
Winckelmann, Goethe und das Ideal der klassischen Antike
Winckelmann, Goethe und das Ideal der Antike
Mit Unterstützung eines Stipendiums des sächsischen Hofes kam Johann Joachim Winckelmann 1755 nach Rom und wurde 1763 Präsident der vatikanischen Antikensammlung. Mit Schriften wie Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (1755) und Geschichte der Kunst des Altertums (1764) gilt er als Vater der Kunstgeschichte und Archäologie. Als Erster beschrieb er antike Kunstwerke detailliert und ordnete sie in größere historische Zusammenhänge ein. Indem er die Aufmerksamkeit von der römischen auf die griechische Kunst lenkte, die er als Verkörperung „edler Einfalt und stiller Größe“ pries, schuf er den Kanon, der die deutsche Klassik prägte.
In Monumenti antichi inediti (1767) verfolgte Winckelmann die griechischen Wurzeln der römischen Kunst anhand von 216 Kupferstichen neu entdeckter Antiken, von denen viele aus den Sammlungen des Kardinals Alessandro Albani stammten, dessen Bibliothekar er 1759 wurde. Goethe begegnete der Antike in Rom durch Winckelmanns Linse; seine Schriften kannte er bereits durch seinen Zeichenlehrer Adam Friedrich Oeser. In Rom traf er dann den Kunsthistoriker Karl Philipp Moritz, dessen Einfluss ihn dazu brachte, Winckelmanns Ideale zu verfeinern, die künstlerische Individualität zu betonen und das Verhältnis von Kunst und Natur neu zu bestimmen. Für Goethe wurde die Antike nicht nur zu einem nachzuahmenden Vorbild, sondern zu einem lebendigen Maßstab für seine eigenen künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen.
Mit Unterstützung eines Stipendiums des sächsischen Hofes kam Johann Joachim Winckelmann 1755 nach Rom und wurde 1763 Präsident der vatikanischen Antikensammlung. Mit Schriften wie Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (1755) und Geschichte der Kunst des Altertums (1764) gilt er als Vater der Kunstgeschichte und Archäologie. Als Erster beschrieb er antike Kunstwerke detailliert und ordnete sie in größere historische Zusammenhänge ein. Indem er die Aufmerksamkeit von der römischen auf die griechische Kunst lenkte, die er als Verkörperung „edler Einfalt und stiller Größe“ pries, schuf er den Kanon, der die deutsche Klassik prägte.
In Monumenti antichi inediti (1767) verfolgte Winckelmann die griechischen Wurzeln der römischen Kunst anhand von 216 Kupferstichen neu entdeckter Antiken, von denen viele aus den Sammlungen des Kardinals Alessandro Albani stammten, dessen Bibliothekar er 1759 wurde. Goethe begegnete der Antike in Rom durch Winckelmanns Linse; seine Schriften kannte er bereits durch seinen Zeichenlehrer Adam Friedrich Oeser. In Rom traf er dann den Kunsthistoriker Karl Philipp Moritz, dessen Einfluss ihn dazu brachte, Winckelmanns Ideale zu verfeinern, die künstlerische Individualität zu betonen und das Verhältnis von Kunst und Natur neu zu bestimmen. Für Goethe wurde die Antike nicht nur zu einem nachzuahmenden Vorbild, sondern zu einem lebendigen Maßstab für seine eigenen künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen.
„Alles ist Blatt“: Goethes Suche nach der Urpflanze
„Alles ist Blatt“: Goethes Urpflanze
Goethes Faszination für Pflanzen begleitete ihn sein ganzes Leben lang. Eines der Ziele seiner Italienreise war es, das zu untersuchen, was er die „Urpflanze“ nannte – ursprünglich gedacht als ein formales Prinzip, aus dem alle Pflanzenformen hervorgehen könnten. Am 27. September 1786 nahm diese Idee im Botanischen Garten von Padua Gestalt an: Angesichts unbekannter Arten fragte er sich, ob sich „vielleicht alle Pflanzenformen aus einer einzigen entwickeln könnten“.
Nach dem Besuch des Botanischen Gartens in Palermo im April 1787 war Goethe überzeugt, dass eine solche ursprüngliche Pflanze existieren müsse: „Es ist unmöglich, dass sie nicht existiert! Wie könnte ich sonst erkennen, dass diese oder jene Struktur eine Pflanze ist, wenn sie nicht alle nach einem einzigen Modell gebildet wären?“ In seinem italienischen Tagebuch skizzierte er die Hypothese: „Alles ist Blatt, und durch diese Einfachheit ist die größte Mannigfaltigkeit möglich.“
Seine botanischen Forschungen veröffentlichte er später 1790 in Die Metamorphose der Pflanzen. Dort verschwindet der Begriff Urpflanze und wird abgelöst von einem Interesse an den „Gesetzen der Pflanzenbildung“ und an der Pflanze als dynamischem, sich entwickelndem Wesen. Goethes Zeichnungen – von Pflanzen ebenso wie von Mineralien – spiegeln diesen analytischen Blick wider. Für ihn begann künstlerisches Schaffen mit dem geschulten Auge, das Naturformen beobachtet, und der Hand, die sie in Linie übersetzt. Diese enge Verbindung von Sehen und Zeichnen, die er zuerst in Italien verfeinerte, inspiriert Künstlerinnen, Künstler und Betrachter bis heute.
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Goethes Faszination für Pflanzen begleitete ihn sein ganzes Leben lang. Eines der Ziele seiner Italienreise war es, das zu untersuchen, was er die „Urpflanze“ nannte – ursprünglich gedacht als ein formales Prinzip, aus dem alle Pflanzenformen hervorgehen könnten. Am 27. September 1786 nahm diese Idee im Botanischen Garten von Padua Gestalt an: Angesichts unbekannter Arten fragte er sich, ob sich „vielleicht alle Pflanzenformen aus einer einzigen entwickeln könnten“.
Nach dem Besuch des Botanischen Gartens in Palermo im April 1787 war Goethe überzeugt, dass eine solche ursprüngliche Pflanze existieren müsse: „Es ist unmöglich, dass sie nicht existiert! Wie könnte ich sonst erkennen, dass diese oder jene Struktur eine Pflanze ist, wenn sie nicht alle nach einem einzigen Modell gebildet wären?“ In seinem italienischen Tagebuch skizzierte er die Hypothese: „Alles ist Blatt, und durch diese Einfachheit ist die größte Mannigfaltigkeit möglich.“
Seine botanischen Forschungen veröffentlichte er später 1790 in Die Metamorphose der Pflanzen. Dort verschwindet der Begriff Urpflanze und wird abgelöst von einem Interesse an den „Gesetzen der Pflanzenbildung“ und an der Pflanze als dynamischem, sich entwickelndem Wesen. Goethes Zeichnungen – von Pflanzen ebenso wie von Mineralien – spiegeln diesen analytischen Blick wider. Für ihn begann künstlerisches Schaffen mit dem geschulten Auge, das Naturformen beobachtet, und der Hand, die sie in Linie übersetzt. Diese enge Verbindung von Sehen und Zeichnen, die er zuerst in Italien verfeinerte, inspiriert Künstlerinnen, Künstler und Betrachter bis heute.
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Faust: Von der Volkssage zu Goethes Lebenswerk
Faust: Von der Legende zu Goethes Lebenswerk
Goethe begann zwischen 1772 und 1773 an der Figur des Doktor Faust zu arbeiten und entwarf in Frankfurt am Main eine frühe Fassung, die als Urfaust bekannt ist. Daraus entwickelte er Faust. Ein Fragment, das 1788 vollendet und 1790 in Leipzig veröffentlicht wurde. Eine erweiterte Fassung erschien 1808 unter dem Titel Faust. Eine Tragödie. Im hohen Alter, zwischen 1825 und 1831, wandte er sich dem Stoff erneut zu und verfasste Faust. Der zweite Teil der Tragödie, der 1832 postum veröffentlicht wurde.
Die Faustlegende, die durch das Volksbuch Historia von D. Johann Fausten (1587) popularisiert wurde, war Goethe schon lange vertraut; erstmals begegnete er ihr 1771/72 als Puppenspiel. In Goethes Drama verspricht der lebensmüde Gelehrte Faust dem Mephistopheles seine Seele, wenn der Teufel ihn von seiner Unzufriedenheit befreien und ihm stete Veränderung gewähren kann. Verjüngt verführt Faust Gretchen, die sein Kind zur Welt bringt; durch sein Handeln kommen ihr Bruder und ihre Mutter ums Leben. Während Faust und Mephisto in der Walpurgisnacht schwelgen, tötet Gretchen ihr Kind, bereut und erwartet die Hinrichtung; sie weigert sich zu fliehen und besteht darauf, ihre Schuld zu sühnen.
Im ersten Teil steht Gretchens Tragödie im Mittelpunkt. Im zweiten Teil weitet sich die Faustgeschichte zu einer großen Parabel über Menschheit, Geschichte und Streben. Goethe nannte die Vollendung des Faust sein „Hauptgeschäft“. Als er das Werk schließlich beendet hatte, hielt sein Freund und Sekretär Eckermann die Worte des Dichters fest: „Mein weiteres Leben kann ich nun als reines Geschenk ansehen, und es ist im Grunde gleichgültig, ob und was ich sonst noch tue.“
Goethe begann zwischen 1772 und 1773 an der Figur des Doktor Faust zu arbeiten und entwarf in Frankfurt am Main eine frühe Fassung, die als Urfaust bekannt ist. Daraus entwickelte er Faust. Ein Fragment, das 1788 vollendet und 1790 in Leipzig veröffentlicht wurde. Eine erweiterte Fassung erschien 1808 unter dem Titel Faust. Eine Tragödie. Im hohen Alter, zwischen 1825 und 1831, wandte er sich dem Stoff erneut zu und verfasste Faust. Der zweite Teil der Tragödie, der 1832 postum veröffentlicht wurde.
Die Faustlegende, die durch das Volksbuch Historia von D. Johann Fausten (1587) popularisiert wurde, war Goethe schon lange vertraut; erstmals begegnete er ihr 1771/72 als Puppenspiel. In Goethes Drama verspricht der lebensmüde Gelehrte Faust dem Mephistopheles seine Seele, wenn der Teufel ihn von seiner Unzufriedenheit befreien und ihm stete Veränderung gewähren kann. Verjüngt verführt Faust Gretchen, die sein Kind zur Welt bringt; durch sein Handeln kommen ihr Bruder und ihre Mutter ums Leben. Während Faust und Mephisto in der Walpurgisnacht schwelgen, tötet Gretchen ihr Kind, bereut und erwartet die Hinrichtung; sie weigert sich zu fliehen und besteht darauf, ihre Schuld zu sühnen.
Im ersten Teil steht Gretchens Tragödie im Mittelpunkt. Im zweiten Teil weitet sich die Faustgeschichte zu einer großen Parabel über Menschheit, Geschichte und Streben. Goethe nannte die Vollendung des Faust sein „Hauptgeschäft“. Als er das Werk schließlich beendet hatte, hielt sein Freund und Sekretär Eckermann die Worte des Dichters fest: „Mein weiteres Leben kann ich nun als reines Geschenk ansehen, und es ist im Grunde gleichgültig, ob und was ich sonst noch tue.“
Drei Faust-Bilder: Retzsch, Lindenschmit und Hegenbarth
Faust illustrieren: Retzsch, Lindenschmit und Hegenbarth
Friedrich August Moritz Retzsch gehörte zu den ersten Künstlern, die Goethes Faust in Bildern umsetzten. Bereits 1808 zeichnete er einzelne Szenen, die er 1810 Goethe zeigte. 1816 veröffentlichte er einen Radierzyklus mit 26 Blättern, den der Dichter für seine „witzigen Kompositionen“ und den ansprechenden Charakter und Ausdruck der Figuren lobte. Die hier gezeigte Zeichnung wiederholt die zweite Radierung: Faust und sein Begleiter Wagner auf ihrem Osterspaziergang, während Mephistopheles in Gestalt eines Pudels rechts lauernd erscheint. Retzsch bot die Zeichnung vermutlich als Alternative zum gedruckten Blatt an.
Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere zeigt Faust in der Schenke von Auerbachs Keller, wo Mephistopheles den Wein wie durch ein Wunder aus dem Tisch fließen lässt, um einen Kreis von Zechern zu erfreuen. Faust, in sich gekehrt und grübelnd, wendet sich ab, unbeeindruckt von dem Spektakel. Die um 1850 entstandene Zeichnung bezieht sich auf ein heute verlorenes Gemälde Lindenschmits.
Um 1960 illustrierte Josef Hegenbarth den Moment unmittelbar bevor Faust den Pakt mit dem Teufel unterschreibt. Faust zögert noch, den Kopf zweifelnd zurückgewandt, während Mephisto mit fleischiger Nase und sardonischem Grinsen eine Hand auf seine Schulter legt. Eine dunkle Linie scheint vom Körper des Dämons in den Arm des Gelehrten zu fließen: Faust steht bereits unter Mephistopheles’ Bann, seine Schreibhand wird vom Willen seines höllischen Partners geführt. Über anderthalb Jahrhunderte hinweg übersetzen diese Künstler Goethes Text in sich wandelnde Bildinterpretationen von Verführung, Skepsis und Hingabe.
Friedrich August Moritz Retzsch gehörte zu den ersten Künstlern, die Goethes Faust in Bildern umsetzten. Bereits 1808 zeichnete er einzelne Szenen, die er 1810 Goethe zeigte. 1816 veröffentlichte er einen Radierzyklus mit 26 Blättern, den der Dichter für seine „witzigen Kompositionen“ und den ansprechenden Charakter und Ausdruck der Figuren lobte. Die hier gezeigte Zeichnung wiederholt die zweite Radierung: Faust und sein Begleiter Wagner auf ihrem Osterspaziergang, während Mephistopheles in Gestalt eines Pudels rechts lauernd erscheint. Retzsch bot die Zeichnung vermutlich als Alternative zum gedruckten Blatt an.
Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere zeigt Faust in der Schenke von Auerbachs Keller, wo Mephistopheles den Wein wie durch ein Wunder aus dem Tisch fließen lässt, um einen Kreis von Zechern zu erfreuen. Faust, in sich gekehrt und grübelnd, wendet sich ab, unbeeindruckt von dem Spektakel. Die um 1850 entstandene Zeichnung bezieht sich auf ein heute verlorenes Gemälde Lindenschmits.
Um 1960 illustrierte Josef Hegenbarth den Moment unmittelbar bevor Faust den Pakt mit dem Teufel unterschreibt. Faust zögert noch, den Kopf zweifelnd zurückgewandt, während Mephisto mit fleischiger Nase und sardonischem Grinsen eine Hand auf seine Schulter legt. Eine dunkle Linie scheint vom Körper des Dämons in den Arm des Gelehrten zu fließen: Faust steht bereits unter Mephistopheles’ Bann, seine Schreibhand wird vom Willen seines höllischen Partners geführt. Über anderthalb Jahrhunderte hinweg übersetzen diese Künstler Goethes Text in sich wandelnde Bildinterpretationen von Verführung, Skepsis und Hingabe.
Tischbein in Rom: Historienmalerei und künstlerischer Stolz
Tischbein in Rom: Historienmalerei und künstlerischer Stolz
Während seines ersten Aufenthalts in Rom (1779–1781) malte Johann Heinrich Wilhelm Tischbein die Historienszene Oxyartes gibt seine Tochter Roxane Alexander zur Ehe. Der besiegte baktrische Herrscher Oxyartes sitzt auf seinem Thron, während Alexander mit seinen Soldaten dasteht, einen erlegten Löwen als Geschenk darbringt und seine rechte Hand Roxane entgegenstreckt. Tischbein griff dabei auf Raffaels Die Vermählung Alexanders und Roxanes in der Villa Farnesina zurück; Raffaels Figur Alexanders diente ihm als direktes Vorbild für seine eigene Komposition.
Nach einem Aufenthalt in der Schweiz kehrte Tischbein am 24. Januar 1783 nach Rom zurück und malte Allegorie der Poesie und Malerei. Die Poesie, eine Lyra haltend, sitzt links; die Malerei, die ein Bildfeld in den Händen hält, sitzt neben ihr und dominiert eindeutig. Das Werk spiegelt Tischbeins Überzeugung wider, dass die Malerei der Dichtkunst in keiner Weise unterlegen sei – ein impliziter Dialog mit seinem späteren berühmten Mitbewohner Goethe, der am 30. Oktober 1786 in die deutsche Künstlergemeinschaft in der Via del Corso 18 einzog (heute die Casa di Goethe). Gemeinsam dokumentieren die Alexander-Leinwand und die Allegorie seinen ersten und zweiten Romaufenthalt: die eine zeigt seine Ambitionen als Historienmaler, die andere seine Vorstellungen vom Rang der Kunst.
Während seines ersten Aufenthalts in Rom (1779–1781) malte Johann Heinrich Wilhelm Tischbein die Historienszene Oxyartes gibt seine Tochter Roxane Alexander zur Ehe. Der besiegte baktrische Herrscher Oxyartes sitzt auf seinem Thron, während Alexander mit seinen Soldaten dasteht, einen erlegten Löwen als Geschenk darbringt und seine rechte Hand Roxane entgegenstreckt. Tischbein griff dabei auf Raffaels Die Vermählung Alexanders und Roxanes in der Villa Farnesina zurück; Raffaels Figur Alexanders diente ihm als direktes Vorbild für seine eigene Komposition.
Nach einem Aufenthalt in der Schweiz kehrte Tischbein am 24. Januar 1783 nach Rom zurück und malte Allegorie der Poesie und Malerei. Die Poesie, eine Lyra haltend, sitzt links; die Malerei, die ein Bildfeld in den Händen hält, sitzt neben ihr und dominiert eindeutig. Das Werk spiegelt Tischbeins Überzeugung wider, dass die Malerei der Dichtkunst in keiner Weise unterlegen sei – ein impliziter Dialog mit seinem späteren berühmten Mitbewohner Goethe, der am 30. Oktober 1786 in die deutsche Künstlergemeinschaft in der Via del Corso 18 einzog (heute die Casa di Goethe). Gemeinsam dokumentieren die Alexander-Leinwand und die Allegorie seinen ersten und zweiten Romaufenthalt: die eine zeigt seine Ambitionen als Historienmaler, die andere seine Vorstellungen vom Rang der Kunst.
Die römische Campagna: Von Malariasümpfen zur Kunst-Muse
Die römische Campagna
Im 18. und 19. Jahrhundert erschien die ländliche Ebene rund um Rom, die Campagna Romana oder Agro Romano, als sumpfige, dünn besiedelte Landschaft, durchsetzt mit stehendem Wasser, in dem im Sommer Malaria Bauern und Hirten heimsuchte. Reisende überquerten sie meist auf der Via Appia in Richtung Albaner Berge und weiter nach Brindisi; die Campagna selbst war nur selten ein Reiseziel.
Folglich existieren nur wenige malerische Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert. Dies änderte sich im 19. Jahrhundert, als Landschaftsmaler ihre scheinbare Leere als künstlerische Herausforderung zu begreifen begannen. Italienische, deutsche, skandinavische und britische Künstler richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Campagna und ihre Bewohner, insbesondere auf die großen Rinderherden und ihre berittenen Hirten, die Butteri, die zu bevorzugten Sujets in unzähligen Gemälden wurden.
Im 18. und 19. Jahrhundert erschien die ländliche Ebene rund um Rom, die Campagna Romana oder Agro Romano, als sumpfige, dünn besiedelte Landschaft, durchsetzt mit stehendem Wasser, in dem im Sommer Malaria Bauern und Hirten heimsuchte. Reisende überquerten sie meist auf der Via Appia in Richtung Albaner Berge und weiter nach Brindisi; die Campagna selbst war nur selten ein Reiseziel.
Folglich existieren nur wenige malerische Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert. Dies änderte sich im 19. Jahrhundert, als Landschaftsmaler ihre scheinbare Leere als künstlerische Herausforderung zu begreifen begannen. Italienische, deutsche, skandinavische und britische Künstler richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Campagna und ihre Bewohner, insbesondere auf die großen Rinderherden und ihre berittenen Hirten, die Butteri, die zu bevorzugten Sujets in unzähligen Gemälden wurden.

Dämonische Gestalt
Goethes Italienreise: eine unermüdliche Suche nach Rom
Tagebuch der Italienischen Reise
Goethes Reiseaufzeichnungen von 1786 zeichnen eine intensive Sehnsucht nach Italien und vor allem nach Rom nach. Leise vor Tagesanbruch aus Karlsbad aufbrechend, eilt er nach Süden, lässt unterwegs oft Sehenswürdigkeiten links liegen, um seinem „ersten Bedürfnis“ zu genügen: die Stadt zu erreichen, die er sich seit Jahren ausgemalt hat. Abstecher an den Gardasee und nach Venedig verzögern ihn nur kurz, doch jeder Tagebucheintrag kreist wieder um Rom als sein eigentliches Ziel – er schläft sogar, ohne sich auszuziehen, damit er im ersten Morgengrauen aufbrechen kann. Am 28. Oktober schreibt er schließlich, fast ungläubig, dass „morgen Abend Rom!“ – ein Moment, den er zugleich als Erfüllung eines Schicksals und als Beginn eines neuen Lebens als Künstler im Ausland erlebt.
Goethes Reiseaufzeichnungen von 1786 zeichnen eine intensive Sehnsucht nach Italien und vor allem nach Rom nach. Leise vor Tagesanbruch aus Karlsbad aufbrechend, eilt er nach Süden, lässt unterwegs oft Sehenswürdigkeiten links liegen, um seinem „ersten Bedürfnis“ zu genügen: die Stadt zu erreichen, die er sich seit Jahren ausgemalt hat. Abstecher an den Gardasee und nach Venedig verzögern ihn nur kurz, doch jeder Tagebucheintrag kreist wieder um Rom als sein eigentliches Ziel – er schläft sogar, ohne sich auszuziehen, damit er im ersten Morgengrauen aufbrechen kann. Am 28. Oktober schreibt er schließlich, fast ungläubig, dass „morgen Abend Rom!“ – ein Moment, den er zugleich als Erfüllung eines Schicksals und als Beginn eines neuen Lebens als Künstler im Ausland erlebt.
Goethe Museum
Das Goethe-Museum führt Besucher in die Welt von Johann Wolfgang von Goethe und richtet den Blick besonders auf seine prägende Italienreise und seinen Aufenthalt in Rom. Es befindet sich im historischen Künstlerhaus an der Via del Corso und lässt die Atmosphäre der deutschen Künstlergemeinschaft lebendig werden, in der Goethe unter dem Namen Giovanni Filippo Moeller lebte. Handschriften, Briefe, Reisetagebücher und persönliche Dokumente zeichnen seine Flucht vor den höfischen Pflichten in Weimar und seine Suche nach einem neuen Leben nach, das von Kunst, Antike und Natur geprägt sein sollte.
Originale Zeichnungen, Gemälde und Druckgrafiken von Goethes Zeitgenossen lassen seine römischen Jahre anschaulich werden – von intimen Szenen in seinem bescheidenen Zimmer bis zu weiten Ausblicken auf Forum, Campagna und Süditalien. Das Museum beleuchtet außerdem seine Freundschaften mit Künstlern wie Tischbein, Angelika Kauffmann und Jakob Philipp Hackert und zeigt, wie Begegnungen mit antiken Ruinen, mediterranen Landschaften und botanischem Reichtum seine literarischen Werke, naturwissenschaftlichen Studien und schließlich Meisterwerke wie den Faust beeinflussten.
Originale Zeichnungen, Gemälde und Druckgrafiken von Goethes Zeitgenossen lassen seine römischen Jahre anschaulich werden – von intimen Szenen in seinem bescheidenen Zimmer bis zu weiten Ausblicken auf Forum, Campagna und Süditalien. Das Museum beleuchtet außerdem seine Freundschaften mit Künstlern wie Tischbein, Angelika Kauffmann und Jakob Philipp Hackert und zeigt, wie Begegnungen mit antiken Ruinen, mediterranen Landschaften und botanischem Reichtum seine literarischen Werke, naturwissenschaftlichen Studien und schließlich Meisterwerke wie den Faust beeinflussten.
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